Niedersächsische Kinder sind beim Schuleintritt besser gegen Masern, Mumps, Röteln, Polio und Tetanus geimpft als der Bundesdurchschnitt.
Lediglich bei den Pneumokokken-, Varizellen- und Meningokokken C-Impfungen gibt es in Niedersachsen noch Nachholbedarf, so die Techniker Krankenkasse in Niedersachsen, die sich auf aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts bezieht.
“Auf keinen Fall sollte man Kinderkrankheiten unterschätzen. Masern zum Beispiel sind hoch ansteckend. Sie können Lungen- oder Hirnhautentzündungen hervorrufen, die in manchen Fällen lebensbedrohlich sind”, so Inga Heinrich, Sprecherin der TK in Niedersachsen.
Um die Masern einzudämmen ist eine Impfquote von 95 Prozent erforderlich. Niedersachsens Kinder erreichten 2011 mit der 1. Masernimpfung Impfquoten von 96,8 Prozent und liegen somit über dem Wert. Die Impfquoten der 2. Masernimpfung sind hingegen mit 92,9 Prozent noch unzureichend.
Impfungen sind der optimale Schutz vor schweren Infektionskrankheiten. Daher sollten bereits im jungen Alter Vorsorgemaßnahmen getroffen werden. Die Kosten für eine Impfung gegen Masern wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Die in den nördlichen Breiten durch Zeckenstiche am häufigsten übertragene Krankheit ist die Borreliose. Wer im Frühsommer durch Wald und Wiese streift, hat gute Chancen, mit einer Zecke nach Haus zu kommen. Der Stich der kleinen Spinnentiere kann schwere Krankheiten auslösen. Während man sich gegen die Hirnhautentzündung FSME immerhin impfen lassen kann, gibt es gegen die Borreliose keinen Schutz.
Die heimtückische bakterielle Infektion, die erst vor 30 Jahren erkannt wurde, zeigt sich zunächst nur durch eine Rötung um die Einstichstelle. Die Erreger können sich aber im Körper einnisten und zu chronischen Entzündungen führen.
Wie gefährlich sie ist, darum tobt eine heftige Auseinandersetzung. Selbsthilfegruppen sprechen von jährlich mehr als einer Million Opfer allein in Deutschland, die Krankheit könne sich jahrelang im Körper verstecken und auch dann für eine Vielzahl von Beschwerden sorgen, wenn sie mit wissenschaftlich anerkannten Methoden gar nicht nachweisbar ist.
Offizielle Stellen halten diese Zahlen für völlig übertrieben und warnen vor einer “Borreliose-Hysterie”. Die Dokumentation will klären, wie gefährlich die Borreliose wirklich ist.
Betroffenenverbände schlagen Alarm: Über eine Million Borreliose-Opfer gebe es allein in Deutschland, sagen sie, und hinter vielen Beschwerden und chronischen Krankheiten stecke in Wirklichkeit die heimtückische, von Zecken übertragene bakterielle Infektion. Die Erreger, so heißt es, verstecken sich nach dem Zeckenstich jahrelang unbemerkt im Körper eines Opfers, bevor sie plötzlich losschlagen und schwere Schäden hervorrufen.
Sichtbare Zeichen der Erkrankung sind kreisförmige, sich ausdehnende Hautrötungen. Hinzu kommen oft noch Fieber sowie Schmerzen in den Muskeln. Noch Monate nach dem Ereignis kann es zu Gelenkschmerzen, Nervenentzündungen und sogar Herzmuskelerkrankungen kommen.
Tausende vermeintlich an Borreliose Erkrankte lassen sich inzwischen auf waghalsige und teure Therapien ein. Offizielle Stellen dagegen halten die Krankheit dank moderner Antibiotika für gut behandelbar und warnen vor Panikmache. Wie gefährlich ist die Borreliose wirklich? Diese Frage versucht Filmemacher Patrick Hünerfeld in seiner Dokumentation zu beantworten.
Sie sitzen im Unterholz, im Gebüsch und auf Wiesen, im kniehohen Gras. Hier warten die winzigen Blutsauger auf ihre Opfer. Vor zwei Jahren hat eine Zecke Stefan Hornischer in den Arm gestochen. Er hat sie damals einfach selbst entfernt.
Doch fünf Monate später wird er plötzlich krank.
“Die ersten Symptome der Krankheit waren Beschwerden im Knie, dann im Kopf benebelt, Konzentrationsschwierigkeiten, Leseschwierigkeiten, Gleichgewichtsprobleme waren sehr schnell mit dabei”, erinnert sich Hornischer. Und es kam es noch schlimmer: Neben starken Schmerzen im ganzen Körper waren dann auch noch seine Beine gelähmt.
Borreliose – das ist eine heimtückische Krankheit, die überall in Deutschland auftritt. Doch nur einige Bundesländer tun etwas. In den ostdeutschen Ländern müssen die Ärzte Borreliose-Fälle den Gesundheitsbehören melden. Seit einem Jahr wird das auch im Saarland und Rheinland-Pfalz praktiziert. Bayern und Baden-Württemberg wollen jetzt nachziehen.
Doch NRW ist gegen eine ärztliche Meldepflicht.
“Es nützt den Patientinnen und Patienten nichts, weil eine Meldepflicht keine Infektion verhindern kann, weil Borreliose nicht von Mensch zu Mensch zu übertragen ist”, erklärt NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne).
“Und das Zweite ist, es hilft auch nichts, weil dadurch, dass die Diagnose bei Borreliose sehr schwierig ist, haben wir immer die Situation, dass man den Zeitpunkt der Infektion und damit auch den Ort der Infektion gar nicht so einfach nachweisen kann.”
Es ist Hochsommer – auch Hochsaison der Zecken. Häufig entdeckt man die Zecke, wenn sie noch in der Haut steckt und kennt dadurch die Stichstelle. Kontrollieren Sie dieses Areal regelmäßig auf Veränderungen. Aber: Nicht jeder Zeckenstich ruft automatisch eine Borreliose hervor!
Die Symptome einer Lyme-Borreliose sind außerordentlich vielfältig. Je nach Ausbreitung der Erreger im Körper und Dauer der Infektion unterscheiden Mediziner drei Krankheitsstadien. Diese müssen jedoch nicht zwingend nacheinander auftreten. Eine Borreliose kann in jedem Stadium spontan ausheilen. Ewa die Hälfte der Infektionen verläuft völlig beschwerdefrei.
Die Inkubationszeit nach dem Zeckenstich variiert stark: Tage bis Wochen für Stadium I, Wochen bis Monate für Stadium II und schließlich Monate bis Jahre für Stadium III.
Stadium I – Lokalinfektion
An der Einstichstelle dringen die Borrelien in den Körper ein. Dort kann ein roter Fleck entstehen, der sich nach und nach vergrößert und in der Mitte meist bleich gefärbt ist. Dieses schmerzlose Mal bezeichnet man als “Wanderröte” (Erythema migrans). Zusätzlich können durch die Borreliose unspezifische Symptome wie Fieber, Bindehautentzündung, Kopf- und Muskelschmerzen, Gelenkentzündung und Lymphknotenschwellungen auftreten. Suchen Sie bei Veränderungen nach einem Zeckenbiss umgehend einen Arzt auf.
Etwa 30 Prozent der Borrelieninfektionen verlaufen ohne die typische Hautrötung.
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